Gastblog von Andrea Bachmann, www.bodysfaction.ch
“Ich fliege nach Berliiiin!” Vor knapp zwei Monaten war endlich klar, dass es doch noch klappt. Dank Melanies Tipp und mit ein bisschen Glück wurde ich zu einem internationalen Workshop eingeladen.
Das Thema Health At Every Size hatte ich für mein Buch “BODYSFACTION – Frauen auf dem Weg zum leichten Grössenwahn” schon eingehend recherchiert. Nun war ich sehr gespannt, wie andere Leute in Europa damit unterwegs sind und ob daraus eine internationale Bewegung entstehen könnte.
Einstieg und Facts
Am ersten Tag lernte ich 16 interessante Menschen aus 9 anderen Ländern Europas kennen und Angela aus England gab uns einen detaillierten Einstieg ins Thema Health At Every Size, “Gesundheit, egal mit welcher Kleidergrösse”.
Die drei HAES Grundsätze sind ganz einfach:
- Size acceptance – Grössen- und Körperakzeptanz:
Menschen haben von Natur aus verschiedene Kleidergrössen und Körperformen. Die Vielfalt beginnt mit dir.
- Intuitive eating – Intuitives Essverhalten:
Dein Körper ist dein bester Ernährungsberater. Vertraue ihm – oder ihr – denn sie weiss, was sie braucht.
- Joyful movement – Freude an Bewegung:
Finde die Art von Bewegung, die dir wirklich Spass macht. Integriere sie in deinen Alltag. (Meine Version: Nach einer Stunde am Computer dudelt auf meinem Handy einer meiner Lieblingssongs los, ich stehe auf und tanze dazu drei Minuten lang durch die Wohnung. Gibt mir sofort neue Energie, denn ich liebe tanzen. Sorry, Nachbarn, das müsst ihr aushalten – oder mittanzen!:) )
Am Nachmittag präsentierte uns Angela überraschend viele Studien, die alle zum selben Schluss kommen: Wenn du fit bist und deinem Körper gesunde Nahrung gibst, spielt dein Gewicht keine Rolle.
Das ist nicht gerade eine landläufig weit verbreitete Meinung, aber trotzdem ein Fakt. Und es tat gut, wieder einmal zu hören, dass all das, wofür ich mit BODYSFACTION stehe, einen wissenschaftlichen Hintergrund hat. Denn manchmal komme ich mir vor, als würde ich allein gegen den grossen, weiten Strom schwimmen.
No Diet Day
Unweigerlich kam auch das Thema Diäten auf den Tisch. Fast alle Teilnehmerinnen (ich verwende die weibliche Form, da wir Ladies deutlich in der Mehrzahl waren) hatten diverse Diätgeschichten hinter sich, die in den meisten Fällen zum bekannten Jo-Jo-Effekt führten, sprich: zu einer Gewichtszunahme über lange Sicht. Somit war auch sonnenklar, in welche Richtung unsere Botschaften zum internationalen Anti-Diät-Tag vom 6.5. zielen würden, der seit 1992 auf die Gefahren von Diäten hinweist.
Hier ein paar Beispiele:
Hermina aus Holland: Ich wurde durch Diäten dick.
Ewa-Maj und Christina aus Schweden: Diäten stressen deinen Körper. Stress ist schädlich für deine Gesundheit. Stopp Diäten – konzentriere dich auf deine Gesundheit.
Mein Beitrag: Diäten haben mir Lebenszeit und Körperweisheit gestohlen. Trau deinem Körper – stopp deine Diät.
Be the change – Sei selbst die Veränderung
Gisela Enders, die Organisatiorin und Veranstalterin des Workshops, hatte mich im Vorfeld gebeten, zwei Halbtage mitzugestalten, was ich sehr gerne tat.
Am Samstag liess ich die Teilnehmenden zur Frage diskutieren:
Wenn Gesundheit und Gewicht nicht ständig miteinander verknüpft würden, welche Veränderungen würden wir in den Medien, im Gesundheitswesen und im täglichen Leben gerne sehen?
Hier eine kleine Auswahl davon, was sich die Teilnehmenden wünschen:
- Medien: Es gibt mehr Grössenvielfalt in TV, Zeitschriften und Filmen und dicke Menschen als positive Vorbilder.
- Gesundheitswesen: Dicke Menschen wehren sich und stehen für sich selbst ein, wenn Ärzte in erster Linie das Gewicht als Problem sehen.
- Alltag: Essen und Dicksein wird nicht länger mit Schuldgefühlen oder mit Sünde verknüpft.
Als Coach interessiert es mich immer am meisten, was wir TUN können, um solche Veränderungen in Gang zu bringen.
Hier ein paar Ideen aus dem Workshop:
- Mach andere auf das in Medien und Filmen verbreitete Klischee “dick = dumm und hässlich” aufmerksam und unterstütze Medien, die Körpervielfalt propagieren.
- Nimm zum nächsten Arztbesuch eine Vertrauensperson mit, die dich unterstützt und informiere deinen Arzt vorab schriftlich über HAES. (Den übersetzten Infobrief hier downloaden)
- Sorge dich weniger um dein Aussehen oder darum, was andere über dich denken könnten. Sei dich selbst. Denn du bist toll, mit allem drum und dran.
Aber …
Was tun, wenn wir selbst noch Zweifel haben? Oder wenn unser Umfeld das alles ganz anders sieht? Welche Antworten wären nützlich, wenn wir wiedermal mit der Frage konfrontiert werden: Hast du abgenommen?
Dazu durfte ich meinen zweiten Input anleiten. Welche Antworten wir in Berlin dazu gefunden haben, darüber schreibe ich hier demnächst mehr.
Herzlich,
Andrea Bachmann
www.bodysfaction.ch
PS: Nach der Workshopwoche hat es mich mit einer heftigen Erkältung ins Bett gehauen. Upps.
Meine Lektion daraus: Nach solch intensiven Zeiten mindestens zwei Tage in der Agenda blockieren für Wellness und NICHTS tun.
Oder mein Körper holt sich seine verdiente Ruhezeit in anderer Form zurück, schnief, hust…